Geschichte aus der Spurensuche

Kapitel 3 Ostern

Ostern ohne Kirche?

Niemals, selbst im Krieg sind die Gottesdienste nicht ausgefallen! 

Doch was Panzer und Bomben damals nicht gelang, gelingt einem

kleinen Virus namens Corona. 

Die Gläubigen, allen voran die Priester, lassen sich jedoch nicht

entmutigen. Mit Liveübertragungen von Gottesdiensten kommen

sie direkt in die Wohnzimmer ihrer Schäfchen. Niemand muss auf

eine feierliche Messfeier an Palmsonntag oder Ostern verzichten.

Und das ist gut so! 

Für unsere ältere Generation, die seit ihrer Kindheit an keinem

Sonn- oder Feiertag die Kirche verpassten oder gar schwänzten,

wäre dies ein zu großer Einschnitt in ihren Glauben. 

Sie würden „vom Glauben abfallen“– wie man manchmal so

leichtfertig sagt.

Wie tief verwurzelt die Menschen mit ihrem Glauben sind, zeigen

die noch immer präsenten Erinnerungen an die Osterzeit:


Fastenzeit - Palmsonntag

Während de gsamt Faschdezeit hot’s Kreuzweg in de Kerch gewwe. Do esch mer vun Bild zu Bild geloffe und debei esch die Gschicht verzählt worre. Mer hot des gfalle. Ich häb do immer mit dem Herrgott mitgelitte...

An Palmsunndagsin frieher Kätzlezweiche geweiht warre, jetzt sin des Buchssträußle.

An Palmsunndag ben ich gern in die Kerch, do war noch alles hell und gut und es hot noch was zuversichtliches ghat. Do dink ich eigentlich gern dra. Mäschdens hot mer do schan sei neie Schuh aazieche derfe, die mer fer Ostere kriegt hot. Do war mer bolle stolz druf....

Fastenzeit - Palmsonntag

Während der gesamten Fastenzeit sind in der Kirche Kreuzwege abgehalten worden. Da ging es von Bild zu Bild und der Kreuzweg wurde gelesen. Mir hat das eigentlich Spaß gemacht. Ich war von den Bildern und der Geschichte immer ganz mitgerissen und hab mit dem Herrgott mitgelitten. An Palmsonntag wurden früher Weidenkätzchen geweiht, heute sind das Sträußchen aus Buchs.

An Palmsonntag bin ich gern in die Kirche gegangen. Da war noch alles hell und gut, die Kirche hat noch etwas Zuversichtliches gehabt. Ich denke gerne an diesen Tag. Meistens durften wir da schon unsere neuen Schuhe anziehen, die wir für Ostern bekommen hatten. Da war man ja mächtig stolz drauf...


Karfreitag

De Karfreitag häb ich gehasst, der war immer sou troschtlos. Des esch schan morchens dehäm lousgange, dass de Teppich aus de Küch kumme, drauß im Schopf uf ä Stang ghängt worre esch un ich häb den dann klopfe müsse. Des häb ich um´s verrecke it leide kinne. D´Mudder hot in dere Zeit in de Küch Hefekuche gebacke und Eier gfärbt. Am Elfe häb ich in die Anbetung gemisst, wie ich zurück kumme ben, esch sie dann gange. De Vadder war äch zwischeden in de Kerch... do gabs fer alle Altersstufe immer Zeite, wu die in die Kerch gange sin.

Zu Meddag esch bei uns nix gesse warre – es war jo Faschdedag...

Nochmeddags sin mer dann zamme in die Kerch gange. Do war alles schwarz und trist. Des Kreuz war schwarz verhüllt in de Mitt vorm Altar gstanne und mer hot dann vor gäi misse, wie bei de Kommunion, hot ä Kniebeug mache misse, dem Herrgott hot mer die Füß geküsst und speeder hot mer ä Bliemel abgewwe. Mit denne esch dann am nächste Dag die Kerch gschmückt warre. Wann mer do vorne am Kreuz war, hot mer dann ä Bildl kriegt. Do war dann än Spruch dän und ä Nummer. Do esch, mään ich, gezäilt warre, wieviel Leit in die Kerch gehen. Noch de Kerch sin mer dann häm un irgendwie war mer´s dann immer leichter im Herz. Sou ä Gfiehl häb ich heit noch, wann ä Beerdichung rim esch. Do esch´s üwwerstanne un alles werd gut. Sou ä Gfiehl häb ich do ghat. Vielleicht esch´s äch mit zusamme ghange, dass mer dann dehäm Kaffee getrunke und frische Kuche gesse hän. Fresche Rahmkuche und Zupfkuche, do hett ich mich näleche kinne... Sunscht hot´s an dem Dag nur weiße Kees und Brout gäwwe, awer noch de Kerch war des Faschde schan ä bissl rum. Schan ä stückweit Auferstehung... fer mich zumindest.

 

Karfreitag

Den Karfreitag habe ich gehasst, der war immer so trostlos. Schon morgens kam bei uns der Teppich aus der Küche zum Ausklopfen und das war mein Job. Ich stand draußen und musste den Teppich klopfen, das habe ich sehr ungern gemacht. Meine Mutter machte in dieser Zeit Hefekuchen und färbte Eier. Um elf Uhr musste ich in die Anbetung, danach ging meine Mutter und auch mein Vater war zwischendrin in der Kirche... da gab es für alle Altersstufen immer bestimmte Zeiten zur Anbetung.

An diesem Tag gab es bei uns auch nichts zum Mittagessen  - es war ja großer Fastentag...

Nachmittags sind wir dann gemeinsam in die Kirche gegangen. Da war immer alles schwarz und trist. Das Kreuz stand schwarz verhüllt in der Mitte vorm Altar. Wie bei der Kommunion sind die Leute dann vorgegangen, haben sich verbeugt und die Füße Jesu geküsst. Später hat man dann auch Blumen abgegeben, mit denen zu Ostern die Kirche geschmückt wurde. Vorn am Kreuz bekam man ein Bildchen, in dem ein Spruch und eine Nummer stand. Wenn ich mich richtig erinnere, sind damit auch die Kirchgänger gezählt worden.

Nach der Kirche gingen wir wieder gemeinsam nach Hause und mir war es dann immer leichter um´s Herz. So ein Gefühl habe ich auch immer nach einer Beerdigung. Das ist Zuversicht, alles wird wieder gut... Vielleicht war es aber auch mit der Tatsache verbunden, dass wir zu Hause Kaffee getrunken und Kuchen gegessen haben. Frischer Rahmkuchen und Zupfkuchen, das habe ich geliebt. Ansonsten hat es an diesem Tag nur Quark und Brot gegeben, aber nach der Freitagmesse war das Fasten schon ein wenig aufgehoben. Da war schon ein kleines Stück Auferstehung in Sicht – für mich zumindest.


Ostern

In de Oschternacht esch dann de Judas verbrennt warre – wie ich do des erschde Mol mitgederft häb, hot mei Herz bes zum Hals geklopft, weil ich mer vorgschdellt häb, des passiert wirklich... un obwohl ich des jo speeder gewisst häb, esch mer´s immer unwohl warre bei dem Gedanke. In de Oschternacht esch immer des Wasser geweiht warre und des hän sich die Leit dann fer dehäm houle kinne. Do hot jo noch jeder ä Weihwasserkächerle an de Tür hänge ghat. Noch de Kerch mussten die Kinner immer noch ä Gebet ufsache:

„Oh meine Gebieterin, oh meine Mutter,

dir bringe ich mich ganz dar,

und um dir meine Hingabe zu bezeigen,

weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar.

Weil ich also dir gehöre, oh gute Mutter,

bewahre mich, beschütze mich,

als dein Gut und Eigentum. Amen.“

Während mer Kinner gebet hän, sind ie Grouße raus, dann erscht hän mer gäi derfe, damit des kä Gerangel gewwe hot.

 

Ja un an Oschtere selwerscht waren die gfärbte Eier un de Oschterhas des Wichdigschte fer mich. Speeder, wie ich älter war, war des als nur Stress. Kinner, Kerch, koche, Bsuch esch kumme,      s´war zwar schäi – awwer do hoscht holt äch renne misse, damit alles unner än Hut kriegt hoscht...

Ostern

In der Osternacht wurde der Judas verbrannt. Als ich das erste Mal mit in diese Kirche durfte, hat mein Herz bis zum Hals geklopft, weil ich mir vorgestellt hatte, das passiert wirklich... und obwohl ich später ja über alles Bescheid wusste, war mir bei diesem Gedanken nie wohl.

In der Osternacht wurde das Wasser geweiht, das sich die Leute dann holen durften. Damals hatte ja noch jeder neben der Tür ein Weihwassergefäß hängen. Nach der Kirche mussten die Kinder noch ein Gebet aufsagen:

„Oh meine Gebieterin, oh meine Mutter,

dir bringe ich mich ganz dar,

und um dir meine Hingabe zu bezeigen,

weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar.

Weil ich also dir gehöre, oh gute Mutter,

bewahre mich, beschütze mich,

als dein Gut und Eigentum. Amen.“

Während des Gebetes haben die Erwachsenen die Kirche verlassen, danach erst durften die Kinder raus. Damit hat man das Gedränge in der Kirche vermieden. 

 

An Ostern selbst waren für mich die bunten Eier und der Osterhase das Wichtigste. Später, als ich älter war, empfand ich diesen Tag stressig. Kinder, Kirche, kochen, Besuch kam... Das war natürlich immer schön, aber du musstest halt auch immer rennen, damit du alles unter einen Hut bekommst.

 


 Theatergruppe Kauderwelsch e.V.

℅ Marianne Stein

 

 

 

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